Atomunfälle in Majak

Die Atomunfälle Tschernobyl und Fukushima kennen fast alle, doch die hinter dem Uralgebirge liegende kerntechnische Anlage Majak hat auch eine Berichterstattung verdient.

1945 bis 1948 wurde diese hastig als Teil des sowjetischen Atomwaffenprojekts aus dem Boden gestampft. Noch unerfahren im Umgang mit Strahlung wurde radioaktiver Abfall seelenruhig in den Fluss Tetscha geleitet. Erst als zahlreiche Einwohner der Dörfer in der Umgebung Krebs bekamen (70% der Bevölkerung von Metlino hatte Leukämie), wurden ab 1951 25 Dörfer entlang der Tetscha evakuiert und zerstört.

Erst ab dann wurde der gefährliche Atommüll in unterirdische Tanks abgestellt. Jedoch war das Kühlsystem nicht ausreichend. 1957 ging es sogar teilweise kaputt und wurde nicht repariert. Die Temperatur stieg an und am 29. September 1957 entzündeten sich die auskristallisierten Nitrate. Die radioaktive Wolke zog sich etwa 330 km lang Richtung Nordosten. Dieser Vorfall ist als Kyschtym-Unfall bekannt. Die Menge an freigesetztem radioaktiven Material ist mit der von Tschernobyl vegleichbar. Der auf Stufe 6 der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) bewertete Unfall ist somit hinter Tschernobyl und Fukushima (beide 7: die höchste Stufe der Skala) der drittschlimmste Atomunfall.

Etwa 270.000 Einwohner lebten im 20.000 km² Bereich, von welchen nur knapp über 10.000 evakuiert wurden – natürlich ohne Angabe jeglicher Gründe, schließlich konnte sich die Sowjetunion keinen Imageschaden leisten. Die CIA wusste ab 1959 von dem Unfall, hat ihn aber nicht öffentlich gemacht. Die amerikanische Atomenergieindustrie befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in Kinderschuhen und man wollte die eigene Bevölkerung nicht verunsichern.

Weiter in Atem gehalten wurde die Bevölkerung jenseits des Urals durch das das Atomunglück am unweit gelegene Karatschai-See. In diesem wurde weiterhin strahlender Abfall entsorgt. In den 60er Jahren fing der See an, auszutrocknen. 1968 nach einer Dürre, blies der Wind radioaktiven Staub durch die Gegend. 400.000 Menschen waren der Strahlung ausgesetzt, die in etwa der Strahlungsdosis entsprach, die die Atombombe Little Boy über Hiroschima abwarf. Auch wenn niemand evakuiert wurde, bewegte das immerhin die Behörden dazu, den See ab 1978 mit 10.000 hohlen Betonkörpern abzudecken. Erst 2015 ist der See aber komplett abgedeckt worden. Bis 1991 war die Strahlung mit 600 Röntgen pro Stunde (enstpricht 6 Sievert pro Stunde) so stark, dass ungeschützte Menschen schon nach einer Stunde am Seeufer gestorben wären. Der Karatschai-See gilt laut dem Worldwatch Institute als der am meisten verschmutzte Ort der Erde.

Erst vor kurzem kam Majak wieder in die Nachrichten. 2017 entdeckten europäische Messstationen radioaktives Ruthenium 106. Für den Menschen bestand aber kein Risiko. Die Spurensuche führte, ja ihr habt es schon erraten, nach Russland in den Ural. Laut Moskau handelte es sich um einen abgestürzten Satelliten. Für eine jetzt aber abgeschlossene Studie ist die Wiederaufarbeitungsanlage in Majak der „wahrscheinlicher Kandidat“ für die Ruthenium-Quelle. Der Spuk jenseits des Urals geht also weiter.

Quellen: https://www.pierpaolomittica.com/stories/mayak-57/; wikipedia;
https://www.tagesspiegel.de/politik/ruthenium-wolke-ueber-europaforscher-
loesen-raetsel-um-atom-unfall/24846724.html

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