Diesel, Kühne, Messerschmitt

Maschinenwesen-Hörsäle und ihre Namensgeber

Wenn man im Garchinger Maschinenwesengebäude nach einem Raum sucht, stößt man neben vielen verwirrenden Zahlen vor allem auf die Namen einiger Größen der Maschinenbaugeschichte. Da gibt es Rudolf Diesel, den Erfinder des Dieselmotors oder Gustav Niemann, ein langjähriger Professor für Maschinenelemente an der TUM — bis 1970 noch Technische Hochschule (TH) München —, die Namensgeber der beiden großen Hörsäle der Gebäudes. Weiter hinten im Gebäude finden sich einige Zeichensäle, benannt zumeist nach ehemaligen Professoren der Universität, zum Beispiel Georg Kühne, der Anfang des 20. Jahrhunderts an der Entwicklung von Landmaschinen arbeitete. Oder Ludwig Burmester, der ab 1887 Professor für darstellende Geometrie und Kinematik war.

Der größte Hörsaal des MW-Gebäudes, benannt nach Rudolf Diesel. Bild: Albert Scharger / TUM

Dass unter den Geehrten genau null nicht-männliche Personen zu finden sind, hat freilich auch mit der bis heute männlich dominierten Kultur des Maschinenbaus zu tun. Dabei gibt es sie durchaus, die Frauen des Maschinenbaus.

Da ist zum einen Bertha Benz, die sowohl auf technischer als auch auf unternehmerischer Ebene maßgeblich zur Entwicklung und Popularisierung des Autos beigetragen hat, aber zumeist höchstens in einem Halbsatz neben ihrem Mann erwähnt wird.

Dann gibt es Ilse Essers, die nach einer Ausbildung in der Flugzeugbaufirma ihres Vaters 1918 begann, an der LMU Mathematik und Physik, später an der TH München Technische Physik zu studieren. Von ihr erdachte neue Berechnungsmethoden bezüglich der Stegbeanspruchung von Biegungsträgern wurden vom hiesigen Professor für Festigkeitslehre allerdings als „Unsinn” abgetan.

Ilse Essers (1998-1994)

Dieselben Ideen veröffentlichte sie dann einige Jahre später am Aachener Aerodynamischen Institut unter der Leitung des Luft- und Raumfahrtpioniers Theodore von Kármán, der ihr dafür den Diplomtitel verlieh. Später erhielt sie an der TH Berlin als erste Frau in Deutschland ihren Doktortitel im Maschinenwesen. (https://repository.si.edu/bitstream/handle/10088/25009/201455AE.pdf)

Sogar die allererste deutsche Diplom-Ingenieurin im Maschinenbau, Elisabeth Steinheil, machte trotz ständiger Anfeindungen durch die männlichen Studenten 1917 ihren Abschluss an der TH München.

Die TUM setzt sich jedoch nicht kritisch mit ihrer patriarchalen Geschichte auseinander. Anstatt hier eine Vielfalt von Biographien und Identitäten durch die Hörsaalbenennungen abzubilden, finden sich unter den mit Hörsaalnamen Geehrten auch Menschen wie Ernst Schmidt und Wilhelm Messerschmitt. Ersterer war Professor für Thermodynamik und Rektor an der TH München, nach ihm ist die Schmidt-Zahl benannt, letzterer ist bekannt als Flugzeugingenieur und Leichtbaupionier. Beide bekannten sich spätestens 1933 offen zum Nationalsozialismus, beide wurden schon kurz nach der Machtergreifung Hitlers Mitglied in der NSDAP.

Der Ernst-Schmidt-Hörsaal (MW1801), benannt nach dem Rüstungsforscher im NS-Regime, Ernst Schmidt. Bild: Albert Scharger / TUM

Schuld für den zweiten Weltkrieg auf der Seite Englands. Im Gegensatz zu den anderen beiden war er allerdings weder ökonomisch noch machtpolitisch am NS-Regime selbst beteiligt.

Zunächst zu Ernst Schmidt. Er beteiligte sich noch 1933 am „Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler” und wurde Fördermitglied der NSDAP. Schmidt war stellvertretender Leiter der Luftfahrtforschungsanstalt Hermann Göring und im Zuge des Krieges ernannte ihn Göring zum „Bevollmächtigten für Strahlvortrieb”. Der spätere Rektor der TUM arbeitete in Danzig und Braunschweig unter anderem an Triebwerken, fungierte als Verbindung zwischen dem Reichsluftfahrtsministerium und der Waffen-SS und schuf das größte deutsche Forschungsnetzwerk für die Entwicklung von Feststoffraketen. (https://www.researchgate.net/publication/341100222_Soziale_Netzwerke_im_ Maschinenbau_an_deutschen_Hochschul-_ und_ausseruniversitaren_Forschungseinrichtungen_1920-1970)

Bereits 1945 wurde er trotzdem wieder in Braunschweig als Professor für Wärmelehre eingestellt und seine führenden Funktionen in der Kriegsforschung des NS-Regimes unter den Tisch gekehrt. 1952 wechselte er zur Thermodynamik an der TH München und wurde hier 1956 zum Rektor ernannt. Für die beiden Jahre, in denen Schmidt Rektor war, wird er mit der Benennung des drittgrößten Hörsaals des Maschinenwesengebäudes geehrt und seine zwölf Jahre Mittäterschaft in der NS-Diktatur mit keinem kritischen Wort erwähnt.

Propaganda-Plakat aus der NS-Zeit. Bild: Robert Werner / regensburg-digital

Bekannter dürfte Wilhelm Messerschmitt sein. Die von ihm entwickelten Flugzeuge waren Vernichtungsmaschinen der Luftwaffe der Wehrmacht. Allein vom Typ „Messerschmitt Bf 109” wurden etwa 35.000 Flugzeuge gebaut, die als Aufklärer sowie Jagd- und Schlachtflugzeuge verwendet wurden. Messerschmitt selbst freundete sich 1925 mit Theodor Croneiß an, einem Piloten und Leiter einer Tarnfirma der Wehrmacht. Croneiß war bereits vor dem Putschversuch 1923 enger Bekannter Hitlers und stellte die Räumlichkeiten seiner Firmen vor der Machtergreifung regelmäßig Mitgliedern der SA und SS zur Verfügung, auch Hitler selbst war oft bei Croneiß.

Eine der vielen Auszeichnungen, die Messerschmitt vom NS- Regime erhalten hat. Bild: Robert Werner / regensburg-digital

In enger Zusammenarbeit mit Theodor Croneiß und der Luftwaffe begann Messerschmitt nach 1933, in seiner Firma Kampfflugzeuge zu entwickeln und zu produzieren. 1938 legte er die Firma mit der Bayerische Flugzeugwerke Regensburg GmbH und später der Wiener Neustädter Flugzeugwerke GmbH zur Messerschmitt AG zusammen. In den Werken des Unternehmens wurden unzählige Flugzeuge gefertigt, mit deren Hilfe die Weltherrschaftsansprüche des NS-Regimes militärisch ermöglicht werden sollten. Auch in der Produktion selbst zeigte sich das menschenfeindliche Weltbild Messerschmitts: So wurden allein im Regensburger Standort mindestens 6000 Zwangsarbeiterinnen aus überfallenen Gebieten festgehalten, darunter sowohl Kriegsgefangenene als auch zivile Opfer. Von den verschiedenen Messerschmitt-Werken wurde die Bauteilproduktion teilweise in die Konzentrationslager Flossenbürg, Dachau, Plattling, Augsburg und Gusen ausgelagert. Die dortigen Gefangenen wurden als Sklaven von der SS an Unternehmen vermietet. Zu der Zeit hatte Wilhelm Messerschmitt zwar formal keine leitende Rolle mehr inne, er regte die Ausbeutung von Zwangsarbeiterinnen aber aktiv an und befürwortete explizit eine Kooperation mit KZs.

KZ-Zwangsarbeiter*innen in einer durch Luftangriffe beschädigten Messerschmitt-Fabrik (um 1943). Bild: Wikipedia

So auch, als gegen Ende des Krieges Teile der Flugzeugproduktion in einen unterirdischen Stollen bei Linz verlegt wurden, um sie vor Angriffen der Alliierten zu schützen. Hier starben schon beim Bau des Stollens etwa 10.000 Zwangsarbeiter*innen, viele mehr bei der Produktion. Insgesamt wurden wohl zehntausende KZ-Gefangene zur Arbeit in der Messerschmittschen Rüstungsindustrie gezwungen, viele von ihnen starben unter den sklavereiartigen Bedingungen. Messerschmitt persönlich bedankte sich für das Überlassen der Gefangenen beim Kommandanten des KZ Dachau und drückte seine Hoffnung auf „engere Zusammenarbeit” aus.

Der Bergstollen B8 Bergkristall bei Linz, bei dessen Bau tausende KZ-Häftlinge starben. Bild: Wikipedia

Derselbe Kommandant wurde in den Kriegsverbrecherprozessen nach 1945 erhängt, Messerschmitts Name ziert bis heute den Zeichensaal im ersten Stock gegenüber Hof 5. Messerschmitt wurde zwar 1945 zunächst für drei Jahre inhaftiert, schließlich aber doch nur zum „Mitläufer” erklärt. Die zentrale Rolle der Messerschmittwerke für die Rüstungsindustrie der Wehrmacht zeigt sich allerdings schon beim Linzer Bergstollen. Wilhelm Messerschmitt ermöglichte mit seiner Flugzeugproduktion die Eroberungsfantasien Hitlers und profitierte zugleich wirtschaftlich enorm von der KZ- und Kriegsgefangenensklaverei. Von alledem steht auf dem Plakat über ihn, das vor dem Zeichensaal hängt, allerdings nichts. Sein Lebenswerk wird bequem entpolitisiert und auf das Bauen forschrittlicher Flugzeuge reduziert.

Wohlwollend aufgehübschter Lebenslauf Messerschmitts vor dem nach ihm benannten Zeichensaal im MW-Gebäude.

Messerschmitt erhielt 1964 den Bayerischen Verdienstorden und 1969 das große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Verschiedene Straßen sind nach ihm benannt, darunter eine in Regensburg, auf dem Gebiet der ehemaligen NS-Waffenschmiede, wo unzählige Zwangsarbeiter*innen starben. Außerdem gibt es eine in Ottobrunn, beim Department of Aerospace and Geodesy der TU — direkt neben der Ludwig-Bökow-Straße, einem weiteren stolzen Mittäter in der NS- Rüstungsindustrie, nach dem auch der dortige Campus benannt ist.

Die TUM ehrt den Nationalsozialisten, Unternehmer und Sklavereibefürworter gleich mehrfach. Zum einen ist der Zeichensaal in Garching nach ihm benannt, außerdem taucht sein Name auf der Website der „Gründungspioniere” unserer Universität auf. Dort steht er unter anderem neben Claude Dornier, ebenfalls Rüstungsproduzent im NS-Regime, weil die Unternehmen der beiden „die Welt veränderten”. Dass diese Veränderung im Wesentlichen aus Beihilfe zum Massenmord, der Zerstörung des halben Kontinents sowie Mittäterschaft im Konzentrationslager und Sklavereisystem bestand, scheint der unternehmerischen Universität dabei eher unwichtig zu sein.

TUM-Website zu Firmenausgründungen der Universitätsgeschichte. Zwei der drei dargestellten „Gründungspioniere“ sind NS-Kollabora- teure, deren Unternehmen nahezu ausschließlich für Rüstungszwecke existierten. Website: www.tum.de/innovation/entrepreneurship

Allein aus ökonomischer Sicht ist es seltsam, Messerschmitt und Dornier für ihr Unternehmertum zu loben: Der Erfolg der Firmen wäre ohne den NS-Staat und die Ausbeutung hilfloser Gefangener als Zwangsarbeiter*innen nicht in der Form möglich gewesen. Ihre Unternehmen sind lediglich aufgrund ihrer zentralen Rolle in Hitlers Kriegsindustrie und der damit künstlich geschaffenen Nachfrage nach Rüstungsgütern für den tödlichsten Krieg der Menschheit groß geworden. Die Zwangsarbeit erwähnt die TUM zwar auf der Website, allerdings stellt sich damit die Frage, welche Art von Gründergeist hier also idealisiert werden soll.

In der U-Bahn-Station Garching-Forschungszentrum finden sich auf einer der vielen Wandtafeln zur Ehrung wichtiger Wissenschaftler*innen auch wieder die Großindustriellen Dornier und Messerschmitt. Hier kam es bei der Eröffnung der Station zu einer Diskussion, die die geschichtsrelativierende Haltung der TUM aufzeigt. (https://www.sueddeutsche.de/muenchen/garching-forschungszentrum-umstrittene-ehrung-fuer-hitlers-flugzeugbauer-1.745325) So behauptete der damalige TUM-Präsident Wolfgang Herrmann, dass Wilhelm Messerschmitt, der über Jahre hinweg mithilfe von KZ-Sklaverei das Vorzeigeflugzeug der Luftwaffe produziert hatte, mit dem NS-Regime „nichts am Hut gehabt” hätte. Trotz dieser irritierenden Haltung des damaligen Präsidenten wurde hier im Nachhinein immerhin ein Hinweis auf die problematischen Biographien der Ingenieure hinzugefügt.

Technikbegeisterung, die mit Geschichtsblindheit einhergeht

Max Mannheimer, Holocaust-Überlebender

Zuletzt trägt Wilhelm Messerschmitt bis heute einen Ehrendoktortitel der TU München, genauso wie einige andere NS-Verbrecher, darunter der Bauingenieur, SA-Obergruppenführer und Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Fritz Todt. Diesen hat die Uni bislang allerdings noch nicht durch Hörsaalbenennungen geehrt, sein Nachname scheint doch zu sehr an sein Lebenswerk zu erinnern. Statt eine öffentlichen Aberkennung zu veranlassen, werden auf der Fakultätswebsite inzwischen einfach nur noch die Ehrendoktoren seit 1979 angegeben und die schwierige Vergangenheit der Universität damit einfach verschwiegen.

Wie die Süddeutsche Zeitung schon 2018 schrieb, betrifft die Problematik nicht nur das Maschinenwesen der TUM, sondern auch einige andere Fakultäten und Institutionen. (https://www.sueddeutsche.de/muenchen/umstrittene-forscher-problematische-ehrungen-1.3984357) So war zum Beispiel German Bestelmeyer, nach dem Gebäudeteile des Stammcampus benannt sind, ein Antisemit, der unter anderem an der Hetze beteiligt war, die dazu führte, dass Thomas Mann 1933 Deutschland verlassen musste. Die Architekturfakultät ehrt ihn dennoch ohne ein kritisches Wort.

Auch wurde der NS-Raketeningenieur Wernher von Braun, der ebenfalls KZ-Sklaverei nutzte und dessen Rüstungstechnik wie die V2-Rakete unzählige Menschen das Leben kostete, noch 2012 an der TUM zu seinem 100. Geburtstag mit einem „Festkolloquium“ gewürdigt. Hierzu sprachen verschiedene Menschen aus seinem persönlichen und professionellen Umfeld und versuchten, nahbar und menschlich an den NS-Kollaborateur zu erinnern. Dass von Braun lediglich den Kriegsverbrecherprozessen entkommen konnte, weil er als Forscher für die USA nützlich war, wurde wohl nicht erwähnt. Passenderweise fand die Veranstaltung auch noch im Ernst-Schmidt-Hörsaal statt.

Die eigentliche Schwierigkeit besteht hier wohl darin, dass Forschung und ihre Anwendung allgemein und besonders im Rüstungsbereich extrem schwer zu trennen sind. Trotzdem tut die TUM gerne so, auch wenn sie sich bis heute immer wieder von moralisch fragwürdigen bis problematischen Unternehmen abhängig macht und sich nicht daran interessiert zeigt, welchen gesellschaftlichen und ökologischen Folgen ihre Forschung hat.

Einladung der TUM zur Jubiläumsveranstaltung zu Ehren von Wernher von Braun

Da gibt es die umfangreichen Kooperationen mit BMW und anderen Automobilgiganten, ohne die viele Lehrstühle wohl nicht mehr forschen könnten. Unter den Gebäuden, die BMW für die TUM in Garching gebaut hat, ist auch das MW-Gebäude, das der fossile Konzern nach Eberhard von Kuenheim, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Konzerns, benannt hat. Auch mit Rüstungskonzernen wie MTU arbeiten einige Lehrstühle sehr eng zusammen, es gibt einen Honorarprofessor, der neben seiner Anstellung an der TUM beim Lenkraketenhersteller MBDA tätig ist. Der Lehrstuhl für Hubschraubertechnologien wurde von 2010 bis 2018 von einer Stiftung der EADS-Tochter Eurocopter (heute Airbus Helicopters) finanziert.

Das Thema der Wirtschaftsverflechtungen der Universität, die in vielen Fällen wie bei den vom Lidl-Gründer Schwarz gestifteten Lehrstühlen sehr intransparent sind, und der damit einhergehende Verlust der demokratischen Entscheidungshoheit über öffentliche Forschung hat aber wohl einen eigenen Artikel verdient.

Gebäudeplan des „Eberhard-von-Kuenheim-Baus“, dem Hauptgebäude der Maschinenwesenfakultät.

Zurück zu den Hörsälen: wie also umgehen mit Forschenden, die zwar gute Forschung betrieben haben, aber problematische Biographien haben? Eine Möglichkeit wäre es, bei Benennungen einfach auf die vielen TUM-Alumni ohne NS-Vergangenheit und andere kontroverse Verflechtungen zurückzugreifen. Im Zuge dessen könnte man auch gleich die anderweitigen Würdigungen der Personen überdenken. Das allermindeste wäre eine kritische und öffentliche Auseinandersetzung mit der problematischen Vergangenheit. Menschen wie Messerschmitt, Dornier und Schmidt allerdings öffentlich zu ehren, ohne auch nur ein Wort über ihre Taten im NS-Deutschland zu verlieren, wird der historischen Verantwortung nicht gerecht.

Allerdings sind die wenigsten Personen das ideale Bild, zu dem man sie mit öffentlichen Würdigungen macht. Zum Beispiel war auch Ilse Essers, die erste Frau mit Doktortitel im Maschinenwesen, Mitglied in der NSDAP, auch wenn sie schnell ihre Begeisterung für Hitlers Regime verlor und sich distanzierte. Aber wieso orientiert sich eine Universität überhaupt so sehr an Einzelpersonen und Namen? Gibt es keine andere Möglichkeit, Hörsäle und Gebäude zu benennen? Meine persönliche Meinung: Konzepte statt Namen. Warum benennen wir die Räume nicht nach den eigentlichen wertvollen und schönen Konzepten und Ideen, hinter deren Erforschung und Entwicklung meist ohnehin nicht nur ein einzelner Mensch, sondern eine ganze Gemeinschaft von Wissenschaftler*innen steht?

Die Recherche zu diesem Artikel begann mit einer simplen Verwunderung über die Benennung des Messerschmitt-Zeichensaals. Je mehr wir allerdings über die Verstrickungen der damaligen TH München mit dem NS-Regime herausgefunden hatten, desto mehr waren wir entsetzt über das Ausmaß an unkritischem Umgang mit der Universitätsgeschichte. Mit jeder Suchanfrage fanden sich mehr und mehr fragwürdige Ehrungen und bis heute anhaltende Würdigungen. Die hier aufgeführten sind eine Auswahl der erschreckendsten Beispiele, es gibt jedoch leider noch einige mehr. Diese Vorbilder tragen nicht dazu bei, dass sich Ingenieur*innen ihrer Rolle und sozialen Verantwortung bewusst werden.

In einer demokratischen Gesellschaft besteht die Verantwortung einer Universität insbesondere bei gesellschaftlich derart bedeutsamen Forschungsfeldern wie Maschinenbau auch darin, die menschlichen Folgen der Wissenschaft zu betrachten und sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen. Dieser Verantwortung wird die TUM meiner Meinung nach nicht gerecht. Ich hoffe, sie beschäftigt sich einmal ernsthaft kritisch mit ihrer NS-Vergangenheit.

Richtigstellung

Paul hatte in der gedruckten Version des Artikels fälschlicherweise geschrieben, der Lehrstuhl für Hubschraubertechnologie sei von Eurocopter (heute Airbus Helicopters) finanziert. Die Aussage beruhte auf einer veralteten Quelle. Wir wurden darauf hingewiesen, dass der Lehrstuhl zwar von 2010 bis 2018 aus Geldern einer Stiftung des Konzerns finanziert wurde, inzwischen allerdings hauptsächlich mit Landes-, Bundes- und Europäischen Geldern finanziert wird. Somit ist der Lehrstuhl nicht finanziell abhängig von Airbus.
Dennoch ist fraglich, ob die heutige öffentliche Finanzierung dieses Forschungsgebiets ohne die anfängliche Stiftungsfinanzierung je stattgefunden hätte, oder ob Eurocopter damals indirekt die Entscheidung über heutige öffentliche Gelder gefällt hat.
Auch war der Vorwurf der „intransparenten Wirtschaftsverflechtungen“ nicht auf den Lehrstuhl bezogen, hier ging es vor einer Kürzung des Artikels um fragwürdige Kooperationen der TUM mit dem LIDL-Gründer, Automobilkonzernen oder Privatstadtprojekten, wie sie nun in dieser Ausgabe thematisiert werden. Der Lehrstuhl für Hubschraubertechnologie hingegen ist auf seiner Website sehr transparent bezüglich der ehemaligen Stiftungsfinanzierung.

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