TUM Boring – Innovation in Tunneling e.V. – Artikel Update

Einführung und Update

Wir als TUM Boring – Innovation in Tunneling e. V., haben, wie der Name bereits aussagt, einen eingetragenen Verein für eine selbstständige und reibungslose Organisation gegründet. Unsere mehr als 60 interdisziplinären Mitglieder von der TUM, HM und LMU haben eine herausfordernde und intensive, aber auch sehr produktive und inspirierende Zeit hinter sich. Wir nahmen an Elon Musk’s Not-a-boring-Competition 2021 (www.boringcompany.com/competition) teil und flogen dafür nach Las Vegas, Nevada. Alles über den Wettkampf und die Kulissen dahinter erfährst du in diesem Artikel.

Vision

Unsere Vision ist es, junge IngenieurInnen für innovative Infrastruktur-Lösungen zu begeistern und die Attraktivität von dreidimensionalen Tunnelsystemen für den Personen- und Gütertransport in Metropolregionen für die Öffentlichkeit zu steigern. Durch eigene Projekte und Initiativen möchten wir StudentInnen dafür begeistern, neue Ansätze für die Lösung von gesellschaftsrelevanten Problemen zu entwickeln. Ebenso sind wir überzeugt, dass Projekte wie unseres die akademische Ausbildung qualitativ durch interdisziplinäre Zusammenarbeit und eigenständige praktische Erfahrungen erweitert.

Die Wettkampf-Vorbereitungen

Nach einmaligen formellen Entscheidungen wie der Gründung eines eingetragenen Vereins, der Wahl eines Vereinsvorstandes und die Unterteilung in mehrere kleine Sub-Teams konnten die Wettbewerbs-Vorbereitungen Fahrt aufnehmen. Der Veranstalter, The Boring Company, unterteilte den Wettkampf in drei Phasen: Das Einreichen eines Preliminary Designs sowie eines Final Designs und den Wettkampf selbst. Hierbei rückten nur die Teams in die nächste Runde, die die jeweils vorherige bestanden hatten. Die Design-Dokumente standen unter hohen Informations- Anforderungen an Sicherheit, Funktionalität und Umweltschutz. Beispielsweise mussten alle nötigen Berechnungen zu Drücken, Lastabtragungen, Kräfteübertragungen und elektrischen und hydraulischen Systemen vorgelegt werden. Hierbei verlangte das Final Design eine weitaus fortgeschrittenere Detailtiefe. Wenn die zweite Stufe ebenso erfolgreich durchlaufen wurde, erhielt das jeweilige Team eine Einladung in das Finale, welches in Las Vegas am 12. September stattfand. Nachdem wir durch die erste Runde gekommen waren und wenige Wochen später auch unser 116-seitiges Dokument als Final Design eingereicht hatten, hieß es: hoffen auf eine Einladung zum Wettkampf nach Las Vegas – und die ließ auch nicht lange auf sich warten. Nach einem großartigen Moment der Freude ging es nun in die heiße Phase: Der Bau einer Tunnelbohrmaschine von Grund auf.

Eine Herausforderung war die Finanzierung unseres Projektes. Alle Teams waren auf deren eigene Finanzierung angewiesen, finanzielle Unterstützung gab es von dem Veranstalter keine. Ein Team von etwa 15 Mitgliedern kümmerte sich bei uns dauerhaft um die Akquise von Förderern, Sponsoren, Spendern und weiteren Unterstützern zur Finanzierung unserer Teilnahme an dem Wettkampf, dabei führten wir Verhandlungen über Sponsoring-Verträge, überlegten uns kreative Gegenleistungen für unsere Sponsoren und bildeten ein großartiges Netzwerk, mit dem wir auch nach dem Wettkampf noch in Kontakt stehen. Das Ergebnis (Auflistung aller Sponsoren) kannst du hier einsehen: https://tum-boring.com/our-partners.

Wir freuen uns über insgesamt 87 großartige Partner, ohne deren Unterstützung die Durchführung dieses Projektes nicht möglich gewesen wäre.

Dabei waren auch das Marketing und Aufbauen einer Marke wichtig, um das Interesse von weiteren potenziell interessierten Unterstützern zu bekommen. Durch mehrere Aktionen bauten wir eine Community auf, auf die wir uns verlassen können. Hierbei spielte eine ausgeprägte Social-Media Präsenz eine wichtige Rolle. Zusätzlich organisierten wir ein Crowdfunding- Projekt, in dem wir den Verkauf von Merchandise- Artikeln anboten und leiteten gemeinsam mit unserem Partner MM1 Consulting und Prof. Dr. Isabell Welpe vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre – Strategie und Organisation ein noch laufendes NFT-Projekt (https://tum-boring.com/nft) ein.

Diese beiden Projekte wurden in unserem Roll-Out Event Ende Juli angekündigt. Hierbei präsentierten wir im digitalen Format in einem moderierten Livestream unser technisches Konzept das erste Mal der Öffentlichkeit. Wir durften knapp 1000 Zuschauer aus mehr als zehn Ländern begrüßen. Dabei stellen sich alle Sub-Teams vor und das Projekt einschließlich des Wettkampfes wurden erklärt. Auch unser Schirmherr und Präsident der TUM, Prof. Dr. Hofmann, hielt einen kurzen Input-Vortrag. Der Höhepunkt des Events war eine von der Firma Skeno GmbH aufwändig gestaltete Video-Animation unserer Tunnelbohrmaschine. Eine Aufzeichnung des gesamten Events findest du hier: https://www.youtube.com/watch?v=-0SljoJPty0. Im Anschluss an das Roll-Out Event gab es eine geschlossene Fragerunde für Sponsoren, Spender und Medienvertreter.

Ebenso herausfordernd stellte sich die Logistik in Zeiten einer weltweiten Pandemie dar: Durch die gestörten Abläufe der Containerschiffrouten stießen wir bei dem Transport von zwei Containern à 22 Tonnen von München nach Las Vegas auf die ein oder andere Hürde, die wir aber mit unserem Logistikpartner Karl Gross GmbH und unserem Hauptsponsor Max Bögl AG lösen konnten und alles zeitnah am Zielort ankam. Schlussendlich reiste eine Vorbereitungstruppe, intern liebevoll „Prep-Crew“ genannt, bestehend aus 17 Leuten in die USA, um unsere Container in Empfang zu nehmen; das gesamte Team reiste einige Tage vor Wettkampfbeginn ebenso ein.

Von den zwölf Teams, die eine Einladung für das Finale erhielten, erschienen nur acht. Folgende Teams repräsentierten die Finalisten:

  • Biggus Diggus – Hobbyists – United Kingdom (nicht erschienen)
  • CU Hyperloop – University of Colorado Boulder – United States
  • Dirt-Torpedo – DHBW Mosbach – Germany
  • HyperloopUC – University of Cincinnati – United States (nicht erschienen)
  • MIT Hyperloop III – Massachusetts Institute of Technology – United States
  • Paradigm Boring – Memorial University of Newfoundland and Northeastern University, St. John’s – Canada and United States (nicht erschienen)
  • Swissloop Tunneling – ETH Zurich – Switzerland
  • Team Badgermole – Hobbyists – India and United States (nicht erschienen)
  • The Diggeridoos – Virginia Tech – United States
  • The Warwick Boring Team – University of Warwick – United Kingdom
  • TUM Boring – Innovation in Tunneling – Technical University of Munich (TUM) – Germany
  • UMD Loop – University of Maryland – United States

In Las Vegas fand im Zeitraum vom 06.09. – 11.09.2021 auf einem freien Gelände die Competition Week statt. Hierbei erhielten alle für das Finale eingeladenen Teams Zutritt zu einem abgesteckten Feld von 15 x 25 m auf dem Wettbewerbsgelände, wo die Maschinen für den Wettkampftag vorbereitet wurden. Während dieses Zeitraums wurden von speziellen fachmännischen Teams die nötigen Sicherheitsvorkehrungen aller Systeme der Tunnelbohrmaschinen in sog. Safety Checks überprüft. Diese beinhalteten unter anderem: Launch Structures, Mechanical Power/ Drive, Electrical, Navigation und einige weitere Prüfungskategorien. Insgesamt wurden 16 Kategorien auf Sicherheit überprüft. Es mussten alle Systeme eine Starterlaubnis für den Wettbewerb erhalten, damit die Bohrung gestartet werden durfte.

Letzte Vorbereitungen am System für Materialabtransport am Wettkampftag, Credits: TUM Boring
Rohrwechsel während der Bohrung, Credits: TUM Boring
Die Kontrollstation der Tunnelbohrmaschine. Von hier aus wurden alle Systeme gesteuert und über Kameras und Sensoren überwacht. Credits: TUM Boring

Der Wettkampf

Der Wettkampf selbst dauerte einen ganzen Tag. Die Zeit wurde gestoppt, sobald die Maschine gestartet wurde. Nach einem schweren Sandsturm zwei Tage vor Wettbewerb, der teilweise offene Elektronik und Sensorik zerstörte, als auch den sehr kritischen Safety Checks, die von den anderen Teams reihenweise nicht bestanden wurden, schaffte es außer uns kein weiteres Team, einen vollständigen Tunnel zu errichten. Wir bohrten uns durch eine mehr als einen Meter dicke Caliche-Schicht (Beton-ähnlich) und konnten unserer Maschine endlich live unter realen Bedingungen beim Bohren zusehen. Bei der Bohrung selbst traten keine weiteren großen Probleme auf. In der anschließenden Preisverleihung bekamen wir die Trophäe für den Hauptgewinn des Wettbewerbes, sowie den Kategorie-Preis „bestes Navigations-System“ feierlich überreicht.

Start der Bohrung am Wettkampftag. Credits: TUM Boring
Die Preisverleihung. Credits: TUM Boring

Presseberichte

Über unseren Sieg berichtete die die Technische Universität München, die Agentur DPA, die Süddeutsche Zeitung, das Handelsblatt, Tagesschau24, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Münchner Merkur, die Welt, der Bayerische Rundfunk, Business Insider, sowie einige weitere Medien. Eine Zusammenfassung aller Veröffentlichungen findest du hier: https://tum-boring.com/news

Aufgetretene Probleme

Die Covid-19-Pandemie verursachte erhebliche globale Störungen in den Abläufen des gesamten Containerschiff-Verkehrs, was die Transport-Planung für uns maßgeblich erschwerte. Wir arbeiteten durchgängig mit ausreichend Pufferzeiten und Ausweichplänen. Dies galt ebenso für die Lieferung von Material, Werkzeugen, Maschinen und weiterem Equipment. Die Störungen äußerten sich in teilweise langen Lieferungsverspätungen oder sogar Ausfällen. Gemeinsam mit unseren Partnern aus den jeweiligen Fachbereichen wie z.B. Elektronik, Passteile, Hydraulik etc. wurde jedoch immer eine passende Lösung gefunden.

Die Pandemie zwang uns außerdem, sowohl während der Vorbereitungen, als auch während des Wettkampfes selbst durchgängig mit einem Hygiene-Konzept zu arbeiten, was uns in den Abläufen einschränkte und unflexibler machte, jedoch konnten wir so sicherstellen, dass das gesamte Team effektiv zum Fortschritt des Projektes beitragen konnte. Auch Teambuilding-Maßnahmen konnten größtenteils und vor Allem anfänglich nur digital stattfinden. Da alle Mitglieder unseres Teams Studenten sind und die meisten sich vorher nicht kannten, legten wir von Anfang an einen starken Fokus darauf, eine Teamdynamik zu entwickeln und die Team-Mitglieder einander näher zu bringen. Um dies zu erreichen, veranstalteten wir Online-Team Abende mit gemeinsamen Spielen; sog. „Random Coffees“, in dem sich jede Woche zwei zufällig ausgewählte Teammitglieder online zu einem Kaffee „trafen“, außerdem nutzten wir für unsere Kommunikation eine digitale Austauschplattform. Thematisch sortierte Kanäle und regelmäßig stattfindende Online-Meetings mit vordefinierten Themen, sowie konsequente Dokumentation, ermöglichten eine hohe Eigeninitiative, Aktivität und Transparenz für alle Mitglieder.

Leider ließen die Vorbereitungsmaßnahmen des Wettkampfveranstalters zu wünschen übrig. So wurden bspw. Stromleitungen, Wasser, Ablademöglichkeiten für unsere Container, sanitäre Einrichtungen vor Ort und viele weitere Maßnahmen deutlich zu spät oder nicht ausreichend zur Verfügung gestellt, was Verspätungen im Vorbereitungs-Ablauf hervorrief. Glücklicherweise benötigte unsere Maschine keine übermäßige externe Hilfe zur Inbetriebnahme, wodurch wir vor größeren Problemen verschont blieben.

Abschließend stammen unsere Mitglieder aus 16 Ländern. Traurigerweise war es für einige Mitglieder aufgrund dessen Herkunftsländer nicht möglich, in die USA einzureisen, was wir sehr bedauern. Alle Mitglieder haben einen wesentlichen Beitrag zum Projekt geliefert, viel Zeit investiert und dadurch auch Opfer gebracht, wie z.B. eine Verlängerung der Studiendauer oder Lohnausfälle aufgrund fehlender Zeit für die Ausübung von Tätigkeiten als z.B. Werkstudent nebenher.

Wie geht es weiter?

Nach einigen Aufräumarbeiten wurde die Maschine wieder verpackt und für den Rücktransport vorbereitet, die Ankunft in München wird im Dezember 2021 erfolgen. Aktuell wird gemeinsam mit der TUM ein Ausstellungsort für unsere Maschine definiert. Der e.V. bleibt weiterhin bestehen; womöglich wird es einen zweiten Wettkampf geben (äquivalent zu den Hyperloop-Wettkämpfen), dies ist jedoch noch nicht offiziell bestätigt. Darüber hinaus sind wir nun zu Vorstellungen und Gespräche bei bestehenden und interessierten Sponsoren für mögliche zukünftige Kooperationen eingeladen. Auch kommerzielle Anwendungsfälle werden derzeit noch besprochen.

Wir hoffen, wir konnten dich davon überzeugen, dass sich Eigeninitiative trotz vieler Hindernisse auszahlt und dir zeigen, was man erreichen kann, wenn ein Team geschlossen auf ein Ziel hinarbeitet. Wir wollen dich motivieren, deiner Leidenschaft nachzugehen und mit den passenden Leuten in deinem jeweiligen Fachgebiet etwas zu bewegen.

Wenn Ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, folgt unseren Kanälen auf allen sozialen Medien
unter dem Handle @tum_boring oder besucht unsere Website tum-boring.com.

Wir freuen uns auf dich!

Das Team von TUM Boring – Innovation in Tunneling sagt DANKE an alle Unterstützer! Credits: TUM Boring

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